TENSHIN SHODEN KATORI SHINTO RYU

 

    
 
 

Sugino Dojo Doitsu Shibu
Deutsche Zweigstelle des Sugino Dojo in Kawasaki, Japan

 

Japanische Schwertkunst mit 550 jähriger Tradition.
Ein Weg zu Gesundheit und Konzentration.
Körper und Geist mit dem Schwert schleifen.

TENSHIN-SHODEN-KATORI-SHINTO-RYU geht auf den japanischen Samurai Iizasa Choisai Ienao (1387 – 1488) zurück und gilt als die älteste unverändert überlieferte Schule der japanischen Schwertkunst. Wie damals werden heute noch die streng festgelegten Kata (Bewegungsabläufe) trainiert.
Am Anfang steht das Training mit dem Holzschwert in Einzel- und Partnerübungen (Kenjutsu). Darauf aufbauend folgt Iai-Jutsu (Schwertziehen), Bo-Jutsu (Stock), Naginata-Jutsu (Helebarde), Training mit dem Kurzschwert, zwei Schwertern, Shurikien,  etc.

Neben den in der Öffentlichkeit gezeigten Formen (Kata) gibt es noch eine Vielzahl geheimer Kata, die nur im Kreise sehr fortgeschrittener Schüler unterrichtet und trainiert werden. In den Partner-Kata werden die beiden Rollen Kiri-komi („Schneidende Rolle“) und Uke-dachi („Empfangendes Schwert“) genannt. Die Begriffe bezeichnen eine ganz unterschiedliches Verhalten im Kampf, nämlich das eher angreifend und drauflosgehede und das kontrollierend reagierende Verhalten.
Als höchste Form des Sieges hat der Begründer Iizasa Choisai Ienao nicht den Sieg durch Kampf, sondern den Sieg ohne Kampf formuliert; so war seinen Schülern nicht nur die Teilnahme an Duellen verboten, sondern er konnte selbst eines natürlichen Todes im Alter von 104 Jahren sterben.
In Japan wird das Katori Shinto Ryu im wesentlichen durch zwei Schulen bzw. Dojos repräsentiert, die Schulen von Meister Sugino und von Meister Otake. Insbesondere durch Meister Yoshio Sugino, der unter anderem die Choreografie für A. Kurosawa in den „Sieben Samurai“ gemacht hat, wurde das Katori Shinto Ryu auch in Europa bekannt.

Katori-Shinto-Ryu können Männer und Frauen bis ins hohe Alter trainieren, es bedarf keiner besonderen Voraussetzung außer einer einzigen: das Interesse und die Muße eine uralte Budokunst zu erlernen, die für den äußeren Betrachter auf den ersten Blick wenig praktischen Nutzen hat.
Wenn es jedoch gelingt, mit der Schulung und Stärkung des Körpers auch den Geist auszubilden und beide zu einer Einheit zu verbinden kann dies zur Quelle von Lebenserkenntnis werden.


Der Begründer: Iizasa Choisai Ienao (1387 – 1488)

Im Alter von sechzig Jahren verpflichtete sich Ienao über eine Periode von tausend Tagen und Nächten täglich am Katori Schrein Gebetszeremonien abzuhalten. Während diese Zeit vollzog er umfangreiche Reinigungszeremonien und gab sich einem streng geordneten Kampfkunsttraining hin.
Eines Tages, so ist es überliefert, erschien ihm der Gott Futsu-nushi-no-mikoto im Traum. Diese mächtige Gottheit (jap. „kami“) zeigte sich in Form eines Jungen, der auf dem Ast eines Pflaumenbaumes saß, in dessen Nähe Ienao täglich trainierte. Durch diese Vision übergab die Gottheit Ienao eine Ausgabe des Buches „heiho-shinsho“; das ist ein Buch über Waffenkunst und Kampfstrategie, das von göttlicher Hand geschrieben wurde. In der Vision wurde Ienao zudem prophezeit, daß  er ein bedeutender Schwertmeister (Schwertlehrer) aller Schwertkämpfer unter der Sonne werden würde.
Nach diesem Erlebnis gründete Ienao seinen eigenen Kampfkunststil und setzte vor den formalen Namen des Stils „Tenshin-Shoden“, was soviel heißt wie „unter dem Schutz und durch die göttliche Gnade übermittelt von Futsu-nushi-no-mikoto, der Gottheit des Katori-Jingu“.
Im Alter von siebzig Jahren, so ist es überliefert, erreichte Ienao den höhsten Punkt seiner Fähigkeiten. Man sagt auch, daß  Ienao einen Zustand erreicht hatte, in dem er und der Geist von Futsu-nushi-no-mikoto eins wurden. Zu dieser Zeit hatte er mehrere hundert Prinzipien der Kampfkunststrategie („heiho“) zusammengetragen.

 

  TENSHIN-SHODEN-KATORI-SHINTO-RYU im Sugino Dojo, Kawasaki

 










Ulf Rott mit Yoshio Sugino-sensei in dessen Dojo in Kawasaki/Japan Ende1993.

Sugino-sensei (* 12.12.1904) trainierte und unterrichtet noch bis kurz vor seinem Tod am 13. Juni 1998. Er trainierte vor dem 2. Weltkrieg zunächst Kendo, danach Judo bei Jigiro Kano und schließlich Aikido bei Morihei Ueshiba. Durch die Vermittlung von Kano-sensei begann er ca. 1928 im Kodokan-Dojo mit Katori-Shinto-Ryu. Kano-sensei hatte Meister Shiina, Tamai, Ito und Kuboki als Gastlehrer eingeladen. Insbesondere unter der Anleitung von Meister Shiina verfolgte Sugino-sensei den Weg des Schwertes weiter. Obwohl er 1927 ein Judo-Dojo gegründet hatte und 1937 die Erlaubnis erhielt Aikido zu unterrichten, ergab es sich nach dem Krieg so, daß er ausschließlich noch Katori-Shinto-Ryu unterrichtete. Ab 1953 dirigierte er die Schwertkampfszenen verschiedener Samuraifilme, der bekannteste ist wohl „Die sieben Samurai“ mit Toshiro Mifune. 1981 erhielt er von der International Federation of Nippon Budo den 10. Dan Kobudo. Heute leitet sein Sohn Yukihiro Sugino-sensei das Dojo und unterrichtet Aikido und Tenshin-Shoden-Katori-Shinto-Ryu im Andenken an seinen Vater.

   

Sugino Yukihiro sensei im Sugino Dojo in Kawsaki, Japan || Ulf Rott und Izumi Mikami-Rott am Nishimuki-Tenjin Jinja in Shinjuku/Tokio 1996